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Topographisches Handbuch von Oberschlesien
Felix Triest

Das Dorf Deutsch - Zernitz

liegt eine Meile westlich von der Stadt Gleiwitz im Gleiwitzer Kreise, grenzt mit den Dörfern Richtersdorf, Ostroppa, Smolnitz, Leboschowitz, Nieborowitz und Schönwald , hat eine Feldmark von über 4.000 Morgen und besitzt 191 größtenteils hölzerne mit Stroh gedeckte Häuser, eine Ausdehnung von 1/4 Meile, 1 Kirche, 1 Schulhaus, 1 Kretscham. Der Polizei - Verwalter in Rauden verwaltet von dort aus die Polizei in Zernitz.

Dieses Dorf, in den alten Urkunden und Urbarien Sirdniza, auch Schirdnicza genannt, ist eines der ältesten im ganzen Kreise. Es bestand schon im 12. Jahrhundert. Im Jahre 1273 gehörte es einem Grafen Gnenomiz, der es am 3. August genannten Jahres dem Unterjägermeister des Herzogs Wladislaus von Oppeln, Grafen Stephan Zbonowitz daselbst verkaufte. Durch eine zu Golkowitz ( ein Dorf im Rybniker Kreise ) am 15. Juli 1278 ausgestellte Urkunde gab Herzog Wladislaus dem Grafen Stephan das Privilegium, sein Dorf Sirdnitza nach deutschem Recht auszusetzen. Im Jahre 1279 kamen nach Sirdnitza die deutschen Colonisten Heinrich Angrimann und sein Sohn gleichen Namens und mehrere andere, deren Namen nicht mehr zu ermitteln sind.
Ersteren Beiden verlieh Graf Stephan in Sirdnitza am 11. November 1279
( Quelle: Böhm`s diplomatische Beiträge, Thl II. Urk. IV. p.65. Cod. dip. Silesiae, Bd. II, Urkunde XVII. p. 14,15.)
Ländereien, die sechste Hube frei, einen freien Kretscham, eine Fleisch - und Brotbank ( pistrinum ) d. h. des Rechts, zu schlachten und zu backen, die Befugnis, Fischhälter, soviel sie können, zu seinem und ihrem Nutzen zu errichten ( die Hälfte der Fische mussten sie abgeben ), eine freie Mühle und den dritten Pfennig der Gerichtsgefälle. Den übrigen Colonisten , welche Wälder urbar machen würden, gab er sechszehn, und denen, welche Acker anbauten, sechs Freijahre, nach deren Verlauf jeder von der Hube sechs Scheffel, nämlich 2 Scheffel Weizen, 2 Scheffel Roggen und 2 Scheffel Hafer an Zins oder eine halbe Mark Silber entrichten sollte. Der Kirche wies er 1 Hube, zur Hutung gleichfalls eine Hube an. Der Scholze sollte, wenn die ihm erteilte Freiheit erloschen, verpflichtet sein, dem Grafen Stephan bei einem Kriegszuge, wenn es nötig und angemessen sein würde, mit einem Rosse im Werthe von 5 Gulden zu begleiten.

Am 4. April 1283 vertauschte der Abt Bartholomäus von Rauden ( 1274 - 1294 ) auf Anraten des Herzogs Lesco von Ratibor und Przemislaus von Oswiecim das Dorf Wossicze ( heute Woszczyk bei Sohrau OS ), welches wegen seiner fernen Lage die Verwaltung und Ausnutzung sehr erschwerte, gegen das Dorf Deutsch - Zernitz .Die Zustimmung seiner Oberen, d. i. des Abtes und Coornats von Andrcow erhielt er hierzu erst im Jahre 1286. Abt Bartholomäus verpflichtete im Jahre 1294 die Einwohner zu Deutsch - Zernitz, die klösterlichen Acker in Rauden zu bestellen und entließ sie als Entgelt dafür aus dem herzoglichen Robotverhälntnisse.

Am Ende des vorigen Jahrhunderts gab es in Zernitz: Freibauern 40, Freihäusler 8, Angershäusler 32, Colonisten 20 und Auszügler 3. Die Bauern waren erblich, mussten sich ihre Stellen selbst aufbauen und unterhalten; der Kretschmer musste herrschaftliches Bier und herrschaftlichen Branntwein gegen das gewöhnliche Schenckerlohn ( von 1 Eimer Branntwein 2 Gulden und das 1 Achtel Bier 8 Sgr. ) schencken und von Rauden sich selbst abholen. Jeder zinste nach Verhältnis der Grundstücke: 1 Thlr. 10 Sgr. bis 3 Thlr. 10 Ggr. an Grundzins, an Getreide 8 Metzen bis 2 Scheffel Hafer und an Ehrungen 1 - 4 Hühner. Sie roboteten des Jahres der Herrschaft in Rauden 2 172 Tage mit 4 Gespannen, wogegen Jeder 2 Zeilen Brot ( von 1 Scheffel wurden 40 Zeilen gebacken ) erhielt. Sie mussten auch jedes Jahr 1 1/4 Scheffel Kalksteine Bresl. Maaß auf 5 1/2 Meile Weges nach Rauden führen und zu der Fischerei in Deutsch - Zernitz die Fuhren stellen.
Die
Freigärtner waren ebenfalls erblich, zinsten dem Dominio an Grundzins 1 Thlr. bis 3 Thlr. 8 Sgr., gaben für die Naturalrobot 24 Sgr. 10 Pf. bis 1 Thlr. 10 Sgr. und entrichteten überdies 3 jeder 8 Metzen Zinshaber, einer eine Henne und 6 roboteten 4 Tage der Herrschaft. Die Freihäusler waren gleichfalls erblich, zinseten 6 Sgr. bis 3 Thlr. 12 Ggr., gaben statt der Naturalrobot an Zins 25 Ggr. bis 1 Thlr. 10 Sgr. und gingen außerdem jeder 4 Tage im Jahre zu herrschaftlichen Robot. Die Angerhäusler waren ebenfalls erblich, gaben an Grundzins 6 – 26 Sgr., für die Naturalrobot 24 Sgr, bis 1 Thlr. 10 Sgr. und mußten noch jeder 4 Tage des Jahres der Herrschaft roboten. Die Colonisten, die auf dem zergliederten Dominal – Vorwerke mit Genehmigung der Kriegs- und Domainenkammer zu Breslau im Jahre 1784 etablirt waren, besaßen ebenfalls ihre Grundstücke erblich, gaben an Zins 10 Sgr. bis 3 Thlr. 7 Sgr. und die meisten von ihnen entrichteten 4 Tage jährlich die Naturalrobot. Die Auszügler leisteten dem Dominio keine Dienste. Diese Gemeinde hatte weder Klaub- noch Leseholz zu fordern. Die Besitzer der Stellen gaben bei dem Verkaufe derselben 10 Prozent Laudemium an die Herrschaft; von dem im Jahre 1784 zergliederten Dominial-Vorwerke mußten auch die Söhne nach dem getroffenen Abkommen bei jeder Besitzveränderung das Laudemium bezahlen. Es mußte endlich jeder Besitzer, der ein besonderes Gewerbe trieb, an das Dominium jährlich einen Gewerbezins von 20 Sgr. abführen. Alle diese rechtlichen Verhältnisse, Robotdienste, Ehrungen u. gründeten sich auf die Urbarien vom 28. April 1790, welche mit Zernitz errichtet waren, auf das zwischen dem Dominio und dem ersten Besitzer getroffene Abkommen und die geschlossenen Kaufkontrakte.

Sämmtliche an das Dominium zu entrichtende Abgaben sind abgelöst. Fast alle Stellenbesitzer in Zernitz zahlen Rente. Gegenwärtig (im Jahre 1861) sind in Zernitz 39 Bauern, 7 kleine Ackersleute und 14 Häusler, unter letzteren 8, die Grundstücke besitzen, welche nach Schönwald gehören. Sie bezahlen zusammen an Grundsteuern 212 Thlr. Die Kirche in Zernitz soll um das Jahr 1200 erbaut sein. Der Abt Andreas Emanuel ließ im Jahre 1648 das alte Gotteshaus abbrechen und baute ein neues hölzernes sammt Thurm. Am 22. September 1714 schenkte Abt Bernhard II. dieser Kirche eine Casel aus Brokat, kunstvoll mit seidenen und silbernen Fäden durchwirkt, so wie andere Paramente. Die Kirche ist dem heiligen Michael gewidmet.-

Das Kirchweihfest wird gefeiert den Sonntag vor St. Michael und das Fest des Kirchenpatrons den Sonntag nach St. Michael, mit welchem letzteren vollkommener Ablaß verbunden ist. Zu ihr gehören einschließlich des Dorfes Nieborowitz im Rybniker Kreise 1827 Seelen. Die Kirche nebst Thurm ist ganz von Holz. Während der Klosterherrschaft besorgte dieses Beneficium, wie in Schönwald, ein Klosterpriester aus Rauden, der dort wohnte. Weil der Ertrag der Widmuthäcker sehr schlecht und die Stolgebühren unbedeutend waren, so erhielt er vom Stifte fretes Brennholz, zur Benutzung ein Stück Dominial-Acker und zur Bestellung des Pfarrlandes einige Spanndienste, ebenso die sämmtlichen Handdienste, welche dort die kleinen Leute jährlich dem Stifte leisten mußten. Im Jahre 1811 nach Aufhebung des Raudner Stifts ging das Patronat aud das Dominium Rauden, jetzt Herzog von Ratibor, über. Das Pfarrhaus ist ganz massiv im Jahre 1806 aufgebaut, ebenso die Stallung. Die Scheuer ist ganz von Holz, sehr baufällig und älteren Ursprungs. Der Pfarrer hat circa 100 Morgen Widmuth, bezieht ein fixirtes Einkommen von circa 170 Thlr. aus den früher zu dem Kloster Rauden gehörenden Stiftsgütern, erhält von den Stellenbesitzern Messalien und Kollende, von der Gutsherrschaft das Brennmaterial, und genießt die gewöhnlichen Meßstipendien, sowie die Gebühren für Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse u.

Zum Bau der Kirche und der Pfarrgebäude liefert nach dem letzten Urbarium der Patron das Holz. Die übrigen Kosten müssen die eingepfarrten Gemeinden Zernitz und Nieborowitz tragen und zwar: Deutsch-Zernitz 2/3 und Nieborowitz 1/3. Das Vermögen der Kirche beträgt 755 Thlr. Das Schulhaus in der Nähe der Kirche ist gemauert und mit Schindeln gedeckt. Den Unterricht in derselben ertheilt den 180 Kindern ein Lehrer und ein Adjuvant.

Der Kretscham liegt in der Mitte des Dorfes, ist halb von Holz, halb von Ziegeln. Die Wassermühle, die am Ende von Zernitz gegen Nieborowitz zu lag, ist vor 1852 eingegangen. An Gewerbetreibenden sind in Zernitz: Schmiede 3, Schneider 2, Schumacher 4 und Fleischer 3. Die Einwohner ernähren sich außerdem größtentheils von Ackerbau und der Viehzucht, einige von der Vecturanz. In dem Dorfe Zernitz sind 63 Pferde und 400 Stück Rindvieh.

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