Topographisches Handbuch von Oberschlesien
Felix Triest

Kreis Rybnik

§ 63 – Naturbeschaffenheit, Volksstamm und Eintheilung.

Der Kreis Rybnik ist der jüngste unter den oberschlesischen Kreisen, denn er wurde erst im Jahre 1817 aus Bestandtheilen des Fürstenthums (Kreises) Ratibor, des Fürstenthums Oppeln (Kreises Tost-Geiwitz) und aus der Standesherrschaft Loslau (Kreises Pleß) gebildet. In landschaftlicher Beziehung gehören seine Bestandtheile noch jetzt zu den ebengenannten drei alten Kreisen. Er enthält drei Städte, Rybnik, Sohrau, Loslau und vier größere, früher vereinigt gewesene, jetzt theilweise zerfallene Güterverbände, nämlich die Herrschaften Rauden, Loslau, Pilchowitz und Rybnik. Im Jahre 1847 erlangte der Kreis durch den Hungertyphus eine traurige Berühmtheit.

Zwischen 35 o 59 ´ und 36 o 27 ´ östlicher Länge und 49 o 53 ½ ´ und 50 o 15 ´ nördlicher Breite belegen, grenzt er im Süden an Oesterreichisch-Schlesien, im Westen an Ratiborer, im Norden an den Coseler und Tost-Gleiwitzer und im Osten an den Tost-Gleiwitzer und Plesser Kreis. Die Fläche beträgt 15,65 c Meilen oder 337,508 Morgen, die Länge gegen 5 Meilen, die durchschnittliche Breite 3 ¾ Meilen.

Der Kreis bildet eine Hochebene, deren mittlere Erhebung über die Meeresfläche zwischen 800 und 1000 Fuß beträgt, der aber vielfache einzelne Spitzen und wellenförmige Erhebungen das Ansehen eines Hügellandes verleihen. Die höchsten Punkte sind die Anhöhe von Orlowitz 952 und Pschow 944 Fuß über dem Meere. Wenn auch keine eigentlichen Berge vorhanden sind, so läßt sich doch ein von Teschen, dem nördlichsten Theile der Beskiden, herkommender Höhenzug, der sich über Cissowka, Ruptau, Jastrzemb, Gogolau, Schwirklan, Poppelau, Radoschau, Orlowitz, Pietze, Geschowitz, Summin bis nach Zwonowitz an das Rudathal zieht, mit Sicherheit als nördlicher Ausläufer der Karpathen und Beskiden verfolgen, während auf der östlichen, rechten Seite der Ruda ein aus dem Plesser Kreise kommender Höhenzug, der auch einigen Zusammenhang mit dem ersteren zu haben scheint, sich längs der Ruda hinzieht und in den Raudener Forsten verliert. Diese Höhenzüge, der Nordabhang der Karpathen und Beskiden, bilden die Hauptstücke eines sich an dieselben nach beiden Seiten anschließenden weiteren Hügellandes.

Die specielle Terrainbildung ist sehr verschiedenartig. In dem Theile, welchen die erwähnten Höhenzüge berühren, besteht der Boden bei raschem Wechsel der überall mit diluvialem Geröll versetzten Schichten, aus grauem Thon, zum Theil sehr schliefiger Natur, Ziegellehm oder Sand, auf einer mächtigen Schicht von Gypsletten ruhend. Diese Formation erstreckt sich, bald mehr bald weniger stark hervortretend, in nördlicher Richtung bis nach Kieferstädtel in den Gleiwitzer Kreis hinein, führt in dem grauen Thon häufig Eisenstein, und bei Pietze, Czernitz, Pschow und Rydultau Gyps und Kalkstein.

Südwestlich von der Kreisstadt, in dem von den Feldmarken Sczyrbitz, Niewiadom, Niedobschütz, Birtultau, Orlowietz und Pietze eingeschlossenem Raume, und dann bis Pschow tritt in dem durch den westlichen Höhenzug gebildeten Hügellande das der paläozoischen Periode angehörige Steinkohlengebirge hervor, mit dem dieser Gebirgsart eigenen Schieferthon und grobkörnigem, gräulich-gelblichen oder bräunlich-weißem Sandstein, welcher bei Pietze, Rydultau, Radoschau und Niewiadom gebrochen wird.

In dem nördlichen Theile des Kreises, sowie um Sohrau herum, geht mit der Verflachung des Terrains das Diluvium mehr und mehr in das Alluvium über. Der Boden besteht hier mit einzelnen Ausnahmen aus Sand und Kies, oft mit Letteschichten durchsetzt.

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