Topographisches Handbuch von Oberschlesien
Felix Triest
Polizeibezirk Rauden, a. Parochie Rauden
6. Das Kirchdorf Stanitz
liegt ½ Meile östlich von Groß-Rauden an der von Rauden nach Pilchowitz führenden Straße, fast in der Mitte zwischen den beiden Orten, an einem der Ruda
zufließenden Mühlbach, in einem mehr sandigen als lehmigen, schwach wellenförmigen Terrain. Es besitzt eine Filial-Kirche, die neuerdings renovirt, aber sehr alt ist
und vielleicht mit dem Stifte Rauden zugleich gegründet wurde. Sie wird von den Raudener Geistlichen mit versehen. Das jetzige Schulgebäude ist neu massiv erbaut.
Es ist hier Barglowka eingeschult und die Zahl der Schulkinder beträgt 284. Es befindet sich am Dorfe ein herzogliches Vorwerk. Das Dorf besteht aus 177
Haushaltungen mit 841 polnisch Sprechenden und einem Viehstande von 42 Pferden, 257 Stück Rindvieh und 23 Schweinen. Die Einwohner ernähren sich
hauptsächlich vom Ackerbau (1380 Morgen) und nächstdem von der Arbeit im herzoglichen Forst und der Vecturanz für die Hütten. Der Hauptmarktort ist Gleiwitz,
welches über Pilchowitz auf guten Wegen zu erreichen ist. Der Boden von Stanitz ist zwar leicht, aber ziemlich tragbar und es werden deshalb dort verkäufliche
Producte in nicht geringem Maße erzeugt. Es befindet sich eine eingängige Wassermühle im Dorfe. Außerdem gehört zu Stanitz noch die Colonie Gurniken, 1/6 Meile
nördlich davon gelegen, wo jetzt noch Eisenerze vom Herzoge gefördert werden. Einige Förderungen sonstiger Besitzer liegen in Fristen. Die Colonie enthält 20
Haushalten mit 75 nur polnisch sprechenden Menschen mit 13 Gebäuden bei einem Viehstande von 1 Pferde, 21 Stück Rindvieh und 3 Schweinen. Die ganze Gemeinde
zahlt 124 Thlr. Grund-, 42 Thlr. Haus-, 336 Thlr. Klaffen- und 83 Thlr. Gewerbesteuer jährlich.