Topographisches Handbuch von Oberschlesien
Felix Triest
Polizeibezirk Rauden, a. Parochie Rauden
7. Das Dorf Stodoll
nebst herzoglichem Vorwerk liegt am linken Uferrande der Ruda und das dazu gehörige Doppelfrischfeuer wird von der Wasserkraft dieses Flusses betrieben. Die
Entfernung von Rybnik beträgt auf der Raudener Straße 1 Meile. Es besitzt eine eigene Schule mit zwei Klassen, einem Lehrer und einem Adjuvanten, welche in den
Jahren 1860 und 1861 massiv neu erbaut worden ist. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder erhöht sich, da auch Chwallenczytz hier eingeschult ist, auf 253. Das
Doppelfrischfeuer verarbeitet die in den herzoglichen Hochöfen im Gleiwitzer Kreise gewonnenen Holzkohlen-Roheisen zu Kolbeneisen, welche sodann in dem Walz- und
Schneidewerk zu Brantolka zu Schnitteisen verarbeitet werden. Außerdem werden nur wenig Hundert Centner Stabeisen fabricirt. Das Dorf besteht aus 55
Haushaltungen mit 294 polnisch Sprechenden und einem Viehstande von 32 Pferden, 114 Stück Rindvieh, 11 Schweinen und 1 Ziege. Der Ackerbau der Gemeinde
(1303 Morgen) ist nicht unbeträchtlich, die geringeren Grundbesitzer erzielen aber dennoch nicht ihren Lebensunterhalt, sondern helfen sich durch die Arbeit bei der
Hütte fort. Das Dorf ist indessen nicht arm.
Zu Stodoll gehört zunächst der Weiler Kozigowietz, 1/3 Meile westlich auf der Höhe am Walde belegen, 69 Haushaltungen mit 319 nur polnisch sprechenden Seelen und einem Viehstande von 3 Pferden, 46 Stück Rindvieh und 8 Schweinen, eine großentheils bei schlechtem Acker auf die Arbeit im herzoglichen Forst angewiesene Bevölkerung; sodann die Colonie Pniowietz, ¼ Meile südöstlich zu Stodoll, zerstreut liegende Häuser, 4 Haushaltungen mit 27 nur polnisch sprechenden Personen. 6 Gebäuden und einem Viehstande von 3 Pferden, 12 Stück Rindvieh und 7 Schweinen; besser situirte Colonisten auf lehmig sandigem, tragbarem Boden; weiter die Colonie Buglowietz, ¼ Meile nordöstlich von Stodoll jenseits der Ruda am Fuße der waldigen Hügel des rechten Ufers, bestehend aus 16 Haushaltungen und 95 nur polnisch sprechenden Personen, 20 Gebäuden und einem Viehstande von 8 Pferden, 28 Stück Rindvieh und 7 Schweinen, ebenfalls zu den wohlhabenderen Colonien gehörig. da die Bewohner neben ihrem ausreichenden Ackerbau auch noch Handverdienste haben; endlich die Colonie Olschowietz mit Forsthaus, 5 Jaushaltungen und 31 Personen, polnisch Sprechenden, 9 Gebäuden und einem Viehstande von 13 Stück Rindvieh und 4 Schweinen.
Die ganze Gemeinde zahlt 95 Thlr. Grund-, 23 Thlr. Haus-, 262 Thlr. Klaffen- und 10 Thlr. Gewerbesteuer jährlich. Als Marktort wird von Stodoll und seinen Pertinenzien
Rybnik benutzt, wohin sandige, aber stets fahrbare Straßen führen.